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»Nicht jeder, der zu mir sagt: Herr, Herr! wird in das Reich der Himmel hineinkommen, sondern wer den Willen meines Vaters tut, der in den Himmeln ist.« Math. 7,21
Jesus Christus
Fridolin und Ferdinand - Eine „Kindergeschichte“ zum Erwachsen werden
Sandstrand. Sonne. Ein Ei. Es bricht. Eine kleine Schildkröte schlüpft. Etwas unbeholfen krabbelt sie über den Strand in Richtung Wasser. Der Panzer ist noch weich, fast zu weich. Fridolin schafft das Rennen gegen die Greifvögel. Diese kreisen über dem Strand und versuchen die frisch geschlüpften Schildkröten zu fressen. Er erreicht das kühle Nass und ist in Sicherheit. Jahre ziehen ins Land, und sein Panzer wird hart und fest. Fridolin entwickelt sich prächtig. Wie genießt er das Leben – im Wasser schwerelos dahinzugleiten. Was soll ihm schon passieren? Er hat ja einen dicken Panzer. Immer wenn Gefahr droht, zieht sich Fridolin in seinen Panzer zurück. Fridolin hat zwar ein Rückgrat, nur braucht er es nie. Wozu auch. Er hat ja seinen Panzer. Der hält viel aus. Wenn es brenzlig wird, dann zieht er seine Beine und seinen Kopf ein, und »schwups!« ist er in Sicherheit.
* * *
Fridolin ist gern im Wasser. Das ist sein Element. Aber immer öfter macht er auch Ausflüge ans Land. Seine Mama ist dagegen. Sie meint, das sei gefährlich. Die Beine gegen das Wasser zu treten und frei zu schweben, das ist zwar schön, aber mittlerweile langweilig geworden. Wirklich toll ist es, mit den Beinen zu gehen. Etwas Neues! Das macht noch mehr Spaß. Besonders mit Freunden. Und die Greifvögel von damals? »Ha, dass ich nicht lache!«, meint Fridolin, »was sollen die mir noch anhaben können? Ich habe ja einen dicken Schildkrötenpanzer!« Und wenn Gefahr droht? Ja, dann zieht er den Kopf und die Beine ein.
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Gemeinsam mit seinen Freunden dehnt Fridolin seine Streifzüge am Strand immer weiter aus. Sie kommen in gefährliche Situationen – mit dem Seeadler und mit dem Fuchs. Immer zieht er sich in seinen Panzer zurück, und die Gefahr ist gebannt. Dieser Nervenkitzel bringt Knistern ins Leben. Aber je mehr Zeit er mit seinen Freunden an Land verbringt, desto öfter geraten sie in Notlagen. Wieder sicher zurück im Wasser kommt es dann aber zu Spannungen mit seiner besorgten Mama. Das will Fridolin auch nicht. Es scheint keinen Ausweg zu geben. Entweder seine Inseltouren und Abenteuer mit seinen Freunden oder Wasser und Frieden mit Mama. Beides? Das geht nicht!
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Eines Tages sind Fridolin und seine Freunde wieder auf einem ihrer Streifzüge durch die Insel. Plötzlich bemerken sie das Buschfeuer! Die Feuerwalze bewegt sich auf sie zu. Und wie immer in gefährlichen Situationen zieht Fridolin Kopf und Beine unter seinen Panzer und will so lange warten, bis die Gefahr vorbei war. Das ist ein großer Fehler!
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»Fridolin, warum riechst du so nach Rauch?«, ist die erste Frage seiner Mama. Er schämt sich. Und seine Fußsohlen schmerzen fürchterlich. Er hat sie sich verbrannt. So muss er sich eingestehen, dass die Sorgen seiner Mama berechtigt gewesen sind. Was folgt, ist ein langer Meeresarrest. Und er muss seiner Mama versprechen, nie mehr auf die Insel zu gehen. Außerdem darf er seine Freunde nicht mehr treffen. Das kann Fridolin nicht verstehen. Er ist sauer auf seine Mama.
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Drei Tage später sieht man Fridolin wieder mit seinen Freunden auf der Insel.
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Eines Tages trifft er eine alte und weise Schildkröte. »Hallo Fridolin! Ich bin Ferdinand«, stellt sie sich vor. »Was hast du da an deinen Beinen?«, fragt er freundlich. »Ich habe mich verbrannt!«, stammelt Fridolin verlegen. »Aber wie geht denn das? Im Wasser kann man sich doch nicht verbrennen!« – »Das ist nicht im Meer passiert. Ich bin mit meinen Freunden auf der Insel gewesen. Am Anfang haben wir uns nur bis zum Strand gewagt. Aber dann sind wir immer mutiger geworden. Wir haben die ganze Insel erforschen wollen.« – »Ja, und was hat deine Mama dazu gesagt?« – »Mama ist nie glücklich über unsere Ausflüge auf der Insel gewesen. Sie hat Angst, dass mir etwas Schlimmes zustoßen kann. Aber ich habe sie beruhigt: ›Ich habe doch einen dicken Schildkrötenpanzer! Unter dem kann ich meinen Kopf und meine Beine in Sicherheit bringen!‹ Mit dem Seeadler und dem Fuchs hat das auch prima geklappt. Aber dann sind wir in ein Buschfeuer gekommen.« – »Sag bloß, du hast da auch deinen Kopf und deine Beine eingezogen?« – »Ja …«, murmelt Fridolin kleinlaut. Ferdinand: »Das ist ja völlig verkehrt! Dein Panzer ist nicht für jede Gefahr gemacht! Fridolin, du hast auch ein Rückgrat. Du hättest deinen Kopf weit hinausstrecken müssen, um zu sehen, wie du auf schnellstem Weg mit deinen Beinen ins Wasser flüchten kannst!« – »Hm … (grummel, grummel)« – »Aber Fridolin, deine Brandwunden sind ja schrecklich entzündet! Im Meerwasser müssten die Wunden doch längst verheilt sein.« Fridolin schweigt lange Zeit. Nach einem tiefen Seufzer gibt er zu: »Ich habe meiner Mama nicht gehorcht. Sie hat mir nach der Geschichte mit dem Buschfeuer verboten, jemals wieder auf die Insel zu gehen. Eines Nachts haben mich meine Freunde zu einer Inseltour abgeholt. Ich habe zuerst nicht gewollt. ›Du Feigling!‹, haben sie zu mir gesagt, ›du musst ja deiner Mami gehorchen!‹ Und dann bin ich mit meinen Freunden im Geheimen dort hingeschlichen. Der Sand vom schönen Strand hat meine Brandwunden verschmutzt.« »Das war echt dumm von dir! Deine Mama hat es doch nur gut mit dir gemeint. Sie hat dich vor genau solch einem Fehler schützen wollen! « – »So habe ich das noch nie gesehen.« – »Komm mit, Fridolin! Ich weiß, wie ich dir helfen kann.« Ferdinand zeigt Fridolin eine Stelle mit vielen Algen. Er nimmt einige Algen und presst sie auf seine Fußsohlen. »Diese Algen heilen die entzündeten Wunden!«, bemerkt Ferdinand. Sofort spürt Fridolin Linderung. Ach, hat das gutgetan.
Quelle: Ergreife das Leben, CLV- Verlag Best.-Nr. 256212
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